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Mittwoch, 23. Oktober 2013, 17:07

Infoseite: "Mannlicher-Schönauer - über die alten Modelle" gesucht

Servus beinand,

kennt jemand evtl. ein gute Infoseite über Mannlicher-Schönauer wo möglichst alle alten Modelle aufgeführt sind? Also mit Typenübersicht?

Würde mal gerne sehen in welcher jährlichen Reihenfolge die Waffen hergestellt wurden.

Viele Grüße
Thomas
"Als einst die Treue sich in dieser Welt verloren, hat Sie
zu ihrem Sitz des Hundes Herz erkoren."

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Mittwoch, 23. Oktober 2013, 18:03

Konkrete Infoseiten, die die ganzheitliche Geschichte des Schönauers darstellen gibt es nicht.
Persönlich beschäftige ich mich mit dem Schönauer seit meinem 14. Lebensjahr, also 6 Jahre.

Im Grund ist zu sagen, der Ur-Mannlicher-Schönauer ist ein Militärgewehr (Griechenland, teilweise Holland u. Portugal), das System gibt es bereits seit 1892, das berühmte Trommelmagazin wurde um die Jahrhundertwende von Otto Schönauer entwickelt. Lieferungen für die griechische Armee erfolgten 1903, 1914 und 1930, insgesamt ca. 90.000 Stück, könnten jedoch mehr gewesen sein, genaue Zahlen gibt es keine mehr, die Mannlicher-Villa mit sämtlichen Unterlagen wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Noch heute findet man dürftig jagdlich adaptierte Militärschönauer. 1916 wäre für die k.uk.-Armee eine Testphase des Schönauers als "Armee-Standardkarabiner" anstatt des Steyr M95 geplant, allerdings verlief dieses Vorhaben wieder im Sande, man hatte schließlich größere Probleme.

1903 wurde im Zuge der Pariser Weltausstellung erstmals der Mannlicher-Schönauer Mod. 1903 Repetierstutzen vorgestellt. Erstmals wurde ein Gesamtpaket Büchse, Zielfernrohr (Kahles Telorar 4x) und Montage (Wiener Schnäppermontage) vorgestellt.

Die ersten Modelle gab es nur in einem, eigens dafür entwickelten Kaliber, die Systemgrößen wurden diesen angepasst. (Alle Modelle in Stutzen und Halbschaft erhältlich)

Mod. 1903 in 6,5x54 M.-Sch.
Mod. 1905 in 9x56 M.-Sch. (rar)
Mod. 1908 in 8x56 M.-Sch.
Mod. 1910 in 9,5x57 M.-Sch. (.375 rimless)

Nach dem Krieg waren Adaptionen auf moderne Kaliber sehr in Mode, allerdings sind diese heute nicht mehr viel wert.
In kleineren Serien wurden auch "Take-Down-Modelle" gefertigt, eigentlich kein richtiges Take-Down-Prinzip, eher "detachable Stock". Werksmäßig nicht oft zu finden, viele britische Büchsenmacher bauten diese für das wohlhabende Klientel um.

Ab dem Mod. 1924 wurden die Schönauer auf die damaligen "Hochrasanzpatronen" angepasst, größere Systeme waren die Regel, die vorherigen Modelle blieben aber nach wie vor verfügbar!
Erhältlich waren diese in 7x57, 7x64, 8x57IS, 8x60S, .30-06 Sprg., 9,3x62; 10,75x68 (die alte, deutsche Afrikapatrone, seltenst zu finden).
Darüber hinaus wurde man International, die Aufschrift auf dem Hülsenkopf ab dem Jahre 1924 enthielt auch das "Made in Austria".

Mit der Annexion Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurden auch die Steyr-Werke (bis 1934 Österreichische Waffenfabriksgesellschaft) in die Reichswerke Hermann Göring eingegliedert und unter dem Hakenkreuz geführt. Die Produktion der M.-Sch. wurde vorerst fortgeführt, ab und an tauchen Modelle mit der Aufschrift "Made in Germany" auf, diese stammen aus dieser Zeit. Mit dem Fortschreiten des Krieges wurde die Fertigung der Schönauers jedoch eingestellt.

Einem US-Offizier ist es zu verdanken, dass die Produktion der Mannlicher-Schönauer Jagdbüchsen wieder anlief, dieser selbst begeisterte Jäger war von den Büchsen der einheimischen Bevölkerung so angetan, er wollte unbedingt eine solche Besitzen.

Mit 1950 lief die Produktion wieder an, die Steuerkurve wurde am Verschluss weiter nach vorne verlegt, der Schlosshalter etwas modernisiert, darüber hinaus, gab es anstatt der Stahlschaftkappe mit Schaftmagazin eine einfache Bakelitschaftkappe. Außerdem erhielt das Trommelmagazin einen "Käfig" als Führung für die Patronen.
Nun wurde bereits unter dem Namen "Steyr-Daimler-Puch AG" firmiert.

Das Mod. 1950 wurde in folgenden Kalibern, sowohl in Ganzschaft (Lauf 50cm, außer 6,5x54 nach wie vor in 45cm) sowie auch in Halbschaft angeboten (60cm):
6,5x54M.-Sch.; 6,5x55; 6,5x57, 8x57IS, 7x57; 7x64, .30-06 Sprg.; .270 Win.; .257 Roberts (für den US-Markt), alle Kaliber habe ich gerade nicht im Kopf.
Erstmals gab es auch gegen Aufpreis eine zusätlich zur Flügelsicherung, seitliche Pirschsicherung, die nur auf den Abzugsstollen wirkte.
Direktabzüge wurden, vorwiegend für den US-Markt gefertigt, dort erfreute sich der Schönauer großer Beliebtheit (Importeur Stoeger und vor dem Krieg auch in geringen Serien "Sequoia-Arms San Francisco)

Ab dem Mod. 1952 trat erstmals der gekrümmte Kammergriff auf, Kaliber wurden die selbigen Angeboten wie beim Mod. 1950.

1954 kam das Mod. GK (gekrümmter Kammergriff) auf den Markt, im Grunde alle gängigen Kaliber wurden angeboten, dieses Modell wurde bis zum Produktionsende gefertigt (1971), ab 1967 wurde im Großen und Ganzen nur mehr aus bereits gefertigten Teilen "zusammengestoppelt". Charakteristisch ist der gebogene Kammergriff und die stärkeren Schäfte. Ab 1958 wurde auch Magnumkaliber im Mod. GK verbaut, diese wiesen jedoch einen geraden Kammergriff auch zum leichteren Repetieren nach der Rücksetzung des Verschlusses bei höheren Gasdrücken (6,5x68; 8x68 S; .264 Win. Mag, .338 Win. Mag. .458 Win. Mag.)
Das Mod. GK war im Grunde ein Exportmodell für den Markt über den Großen Teich, allerdings auch in Europa zu Hauf verkauft. Parallel dazu gab es in kleineren Mengen mit geradem Kammergriff (ca. bis 1964 gefertigt) das Mod. NO in europ. Standardkalibern.
Am Ende der Produktionszeit wurden auch anstatt der üblichen, seitlichen Pirschsicherungen , Kolbenhalssicherungen verbaut.

Das Mod. MC (Monte Carlo = Schaftform) wurde ab 1956 ausgeliefert, ebenso gekrümmter Kammergriff, in allen gängigen US-Kalibern (.308 Win. aufwärts), speziell für den amerik. Markt. Als Stutzen (in den USA als "Alpine-Modell" bekannt) und Halbschaft. Durch den glänzenden Verschluss zu erkennen, dieser wurde nicht brüniert. Wurde ca. bis 1960 produziert, danach folgte das Mod. MCA (Monte Carlo American), allerdings sind mir davon nur mehr Halbschaftversionen bekannt.

Bis zum Produktionsende wurden ca. 73.000 Stück gefertigt, rd. die Hälfte im Mod. GK.
Von den Schönauer-Kalibern hat nur die berühmte 6,5x54 M.-Sch., um die sich viele (wahre) Mythen ranken den Krieg überdauert. Es ist immer wieder ein Vergüngen, mit dem alten Stutzen jagen zu gehen!

Jetzt bin ich Müde vom Schreiben.

Hoffe, ich konnte weiterhelfen!

WMH aus Oberkärnten
Manuel
Ein guter Schuss zur rechten Zeit, schafft Ruhe und Zufriedenheit!

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Mittwoch, 23. Oktober 2013, 18:29

Servus Manuel,

vielen herzlichen Dank für die umfangreichen Infos #Respekt

Jetzt weis ich schon eine ganze Menge mehr. Werde mir nun noch die passenden Bilder aus dem Netz suchen und dann weis ich was mir gefallen würde und wonach man mal schauen kann wenn´s hoffentlich bald mal wieder besser läuft.

Ein schöner alter Mannlicher-Schönauer mit Vollschaft, also sowas ganz uriges, dass wäre waffentechnisch noch ein Wunsch von mir. Irgendwann....

Herzlichen Dank nochmals

Viele Grüße
Thomas
"Als einst die Treue sich in dieser Welt verloren, hat Sie
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Mittwoch, 23. Oktober 2013, 19:23

Respekt Manuel und Weidmannsdank für die ebenso kompakte wie ausführliche Information zum Mannlicher Schönauer!!!
Da kriegert i direkt an Gusto, wenn i nit vor Kurzem erst gewährmäßig zugeschlagen hätt ;-))

Wmh!

Godot
Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann.

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Donnerstag, 24. Oktober 2013, 10:51

Ein kleines Detail am Rande habe ich noch vergessen:

Damals wurden oft Ladestreifen verwendet, die Vorkriegsmodelle wiesen noch eine Führung auf Höhe der offenen, hinteren Hülsenbrücke eine Führung für diese auf. Die ersten Nachkriegsmodelle im Modell 1950 wiesen diese Führung noch auf, wie bei meinem Stutzen, der 1951 beschossen wurde. Ich hatte kurze Zeit ein Mod. 1950 Halbschaft in 7x64 in eher schlechtem Zustand BJ 1952, der diese nicht mehr aufwies. Diesen Repetierer habe ich dann schließlich wieder verkauft, Lauf war rauh, schlecht gepflegt, Brünierung dahin.

In Katalogen in der Zeit zwischen 1910 u. 1930 kann man noch die angebotenen Ladestreifen sehen, mit der zunehmenden Verwendung von Zielfernrohren war dieses "Zusatzgadget", wie man auf neudeutsch sagen würde, sowieso hinfällig.

Übrigens, wer einen Original Schönauer besitzt, sollte einmal bei offenem Verschluss den Abzug durchziehen (vorher hoffentlich entladen) und die Mündung nach unten schwenken. Das Ding schließt und entspannt selbstständig, da kommt man fast ins Schwärmen, bei dem geschmeidigen Schlossgang. :rolleyes:
Ein guter Schuss zur rechten Zeit, schafft Ruhe und Zufriedenheit!

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Donnerstag, 24. Oktober 2013, 11:42

Übrigens, wer einen Original Schönauer besitzt, sollte einmal bei offenem Verschluss den Abzug durchziehen (vorher hoffentlich entladen) und die Mündung nach unten schwenken. Das Ding schließt und entspannt selbstständig, da kommt man fast ins Schwärmen, bei dem geschmeidigen Schlossgang. :rolleyes:

Das kann ich nur bestätigen! Wer einmal so einen Verschluss geschlossen hat weiß, dass es nichts besseres gibt.

Interessant ist auch, dass in Österreich teilweise Preise über € 2000 für "so ein altes Glump" bezahlt werden.
Manche wissen schon warum ;)

Wenn Interesse besteht, werde ich gerne noch eine Bedienungsanleitung zum Schönauer online stellen.

Wmh :mrgreen:

Wer nicht liebt Wein und Weiber,
der wird niemals Jäger, bleibt immer Treiber.

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Samstag, 26. Oktober 2013, 22:39

Vielleicht ist auch das noch nützlich:
http://www.flintenschuetze.de/cms/front_content.php?idcat=48
Weidmannsheil,
Bergfux

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Montag, 20. Januar 2014, 19:52

Ich weiss nicht ob jemand von euch Chuck Hawks homepage besucht -

http://www.chuckhawks.com/index2m_collectors_corner.htm

ist nur auf englisch - aber da ist man ebenso begeistert - " the best rifle in the world "

Anyone who has handled a classic M-S rifle understands the appeal of this fine firearm. Its bolt action was the simply the smoothest ever made. It is the only bolt action that I know of that will close and lock itself if the muzzle of an empty rifle with a fully open bolt is swung down to point at the ground while the trigger is held back. This is partly because of the outstanding machine work put into these rifles, and partly because the Schoenauer spool magazine does not drag against the bolt as does the follower in the box magazine of a Mauser style rifle.
The 6.5x54mm Carbine became a favorite of many well-known professional hunters in Africa before the beginning of the Second World War, some of whom wrote about the rifle and cartridge. Author Ernest Hemmingway was a fan of the Model 1903 Mannlicher-Schoenauer Carbine, hunted with the little rifle, and mentioned it in some of his stories.
The legendary ivory hunter W.D.M. Bell used a Model 1903 Carbine with 160 grain solid bullets for brain shots on elephant. The factory loads at that time had a MV of about 2230 fps. He liked the moderate recoil and deep penetration of the little 6.5x54mm cartridge, which in his hands never failed to kill an elephant.

Tja mehr ist da nicht zu sagen

Gruss

Maxi

Jägersbursch

Rotwildjäger

Beiträge: 531

Beruf: Beamter im Ruhestand

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Dienstag, 21. Januar 2014, 12:02

Whauuuu 6,5x54 MS deinen Nicknamen hast du mit diesem Beitrag alle Ehre gemacht! Danke für diesen super Artikel, besser kann mans in der dementsprechenden Lektüre auch nicht nachlesen.

WmH Chris

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