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Sonntag, 19. Juni 2022, 22:49

"Waldbewirtschaftung" oder "Das Ende der Jagdromantik"

Grüß euch Leute!


Der Wald ist Leben. Heute mehr den je. Dem Umweltschutz, der Biodiversität und der Nachhaltigkeit wird daher überall das Wort geredet, bunt plakatiert und in allen Medien verbreitet. Besonders die Waldeigner tun sich dabei durchaus hervor.

Daher bin ich doch etwas unangenehm berührt, wenn die wirtschaftlichen Interessen bei der Waldbewirtschaftung - welche ich teilweise nachvollziehen kann - den tollen Überschriften und den hübschen Bildern so gar nicht entsprechen. Wahrscheinlich verstehe ich es einfach nicht und ich habe daher an die Bauern und Förster unter euch ein paar Fragen. Vielleicht findet sich jemand, der mein Unbehagen auflösen möchte.

Bei der Gewinnung von Holz im schlägerungsreifen Wald werden ausschließlich die Stämme genutzt. Äste und Zweige werden an Ort und Stelle des Umfallens abgetrennt und verbleiben so. Der Stamm (Bloch) wird mit dem Seil geborgen. Nun meine Frage: wie lange bleibt der Schlag in dieser Form, also unbegehbar und unbejagbar? ein Jahr? mehrere Jahre? eine ganze Jagdperiode? Da ist kein Durchkommen durch den Haufen kleiner Stämme, Äste und Reisig, der hinterlassen wurde. Ein Bergung von Wild geht nicht mehr und ich frage mich: bewegt sich Reh- und Schwarzwild überhaupt auf diesen Flächen? Stolpert es genauso herum wie ich?

Ich bin halt ein bisschen romantisch veranlagt, Waldbewirtschaftung umfasste halt früher auch noch die Gewinnung von Feuerholz aus dem Astwerk und "Bialhokkn". Gut, das liegt Jahrzehnte zurück. Aber die Verwendung von Forstmaschinen, eine Bezahlung von unter 20 Euro die Stunde für irgendwelche Fremdsprachler aus dem Osten, die keinerlei Verantwortung für Wald und Jagd kennen und die Verwüstung des Waldes, stimmen mich traurig. Es ist das Ende der Jagdromantik.


Liebe Grüße und Weidmannsheil

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Mikonis« (19. Juni 2022, 23:10)


2

Montag, 20. Juni 2022, 06:39

Na dann versuche ich dir deine Fragen aus meiner Sicht beantworten. (Kleinwaldbesitzer im „Flachland“)

In unserer Gegend wird vom Schlag so ziemlich alles genutzt. Es verbleiben im Schlag nur die kleinen Äste. Kleinere Baume (Unterstandler) sowie Wipfel und größere Äste werden ebenfalls gebracht und zu Hackschnitzel verarbeitet.

Dann folgt die Schlagruhe mit ca. einem Jahr. Dann wird gemulcht und wieder angepflanzt. Aufgrund des hohen Unkrautdrucks funktioniert ein Plenterwald bei mir leider nicht wirklich.

In deinem Fall glaube ich ist das Gelände nicht gut für die Gewinnung der Restmasse geeignet. Deshalb wird aus wirtschaftlichen Gründen mehr zurückgelassen. Jedoch musst du dir aber vor Augen halten das die Restmasse verrottet und wieder wertvollen Mutterboden bildet. Denn je mehr du aus dem Schalg entfernst, entfernst du gleichzeitig die die Grundlage neuen Lebens.

Bezüglich Wohnort für Waldbewohner sind solche Flächen das Beste die dem Wild passieren können. Die gehen ruhig und gemütlich auf ihren Pfaden durch wund werden nicht alle 10 min von div. freizeitbegeisterten Menschen belästigt.

Wir gesagt, dass ist meine Meinung bzw. meine Herangehensweise und nicht bare Münze für alle Forst und Jagdgebiete.

WMH
Walter

3

Montag, 20. Juni 2022, 10:51

WAldbewirtschftung

... Aber die Verwendung von Forstmaschinen, eine Bezahlung von unter 20 Euro die Stunde für irgendwelche Fremdsprachler aus dem Osten, die keinerlei Verantwortung für Wald und Jagd kennen und die Verwüstung des Waldes, stimmen mich traurig. Es ist das Ende der Jagdromantik.

Ich kenne das aus einer Stadtnahen Eigenjagd in OÖ, die einem Grafen gehört. Die hatten früher Holzarbeiter und 3 Förster in ihren Wäldern. Dann wurden die Förster weniger, und die Maschinen kamen. ..............Jagdlich hatte das eigentlich keinen Nachteil. Die Schläge waren schnell grün und ein Magnet für die Rehe.

Der jagdliche Nachteil kam mit den Mauntainbikern und Wanderern, die immer mehr das Jagdgebiet bevölkert haben.

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Im Revier südlich von Wien, das 3 Bauern gehört, die jeweils Anteile an Wald und Wiesen haben, kennen wir solche Situationen gar nicht. Da ist es noch wie früher. Die Bauern bearbeiten ihren WAld selber. ...............

Jagdfreund

4

Montag, 20. Juni 2022, 18:49

Es gibt auch Kahlschläge wo nicht nur die Stämme sondern auch das gröbste Astwerk verwertet werden.Kommt auf den Auftraggeber an.

5

Dienstag, 21. Juni 2022, 07:55

Bei der Gewinnung von Holz im schlägerungsreifen Wald werden ausschließlich die Stämme genutzt. Äste und Zweige werden an Ort und Stelle des Umfallens abgetrennt und verbleiben so. Der Stamm (Bloch) wird mit dem Seil geborgen. Nun meine Frage: wie lange bleibt der Schlag in dieser Form, also unbegehbar und unbejagbar? ein Jahr? mehrere Jahre? eine ganze Jagdperiode? Da ist kein Durchkommen durch den Haufen kleiner Stämme, Äste und Reisig, der hinterlassen wurde. Ein Bergung von Wild geht nicht mehr und ich frage mich: bewegt sich Reh- und Schwarzwild überhaupt auf diesen Flächen? Stolpert es genauso herum wie ich?



Ich bin Waldbesitzer, habe in den letzten 5 Jahren ca 1/3 meines Waldes (wie auch viele anderen in meiner Gegend) durch Windwurf und Borkenkäferbefall "kahl" geschlagen und wieder auf geforstet! Ich glaube, ein bisschen Ahnung von einer Waldbewirtschaftung zu haben.

Grudnsatz: ALLES WAS DÜNNER ALS EIN OBERARM IST BLEIBT IM WALD!!!!!!!
Würdest du immer alles vom Wald entfernen, gehen dem Wald die Nährstoffe verloren. Vergleichbar mit einem Feld, wo immer nur geerntet wird und nie was gedüngt wird, da wirst du spätestens nach 10 Jahren nichts mehr ernten!

WMH!

6

Dienstag, 21. Juni 2022, 10:59

WAldbewirtschaftung

Grudnsatz: ALLES WAS DÜNNER ALS EIN OBERARM IST BLEIBT IM WALD!!!!!!!
Würdest du immer alles vom Wald entfernen, gehen dem Wald die Nährstoffe verloren. Vergleichbar mit einem Feld, wo immer nur geerntet wird und nie was gedüngt wird, da wirst du spätestens nach 10 Jahren nichts mehr ernten!

Interessant ! Habe leider keine Ahnung davon, umso interessanter für mich !

Jagdfreund

7

Mittwoch, 22. Juni 2022, 00:44

Vielleicht nehm ich mir mal Zeit zum Tippen am PC aber vielleicht kurz am Handy.

Es gibt verschiedene Ernteverfahren.
Stammverfahren und Baumverfahren bzw eine Art reduziertes Baumverfahren.
Ich sag das mal alles ganz einfach.

Beim Stammverfahren kommt nur der Rest ausn Wald.
Beim Baumverfahren alles wobei meistens Abgezopft wird <7cm.

Es ist so im Wipfel sind die meisten Nährstoffe. Die sollten immer zurück im Wald bleiben.

Das Baumverfahren, vor allem als ganzes hat mit der Hackschnitzel Gewinnung und somit Energieholz zu tun.

Bricht man den Nährstoffkreislauf verlierst an Bonität.

Das ist jene Menge an Holz die jährlich auf eine bestimmte Fläche nachwächst. Je höher die Zahl desto wüchsiger der Standort.

Grob unter 10 schlecht. Drüber gut...


Der Maschineneinsatz ist nicht automatisch schlecht. So kann die Punktlast eines Pferdes am Huf höher sein, als die eines Harvesters aber es ist halt so dass bei jeden Wetter und in jeden Gelände mittlerweile gefahren wird weil die Erntekosten gering sein soll. Holzpreis und Erntekosten gehen seit Jahrzehnten eine Schere entgegen.


Schlagflächen sind super für die Biodiversität und das Wild.
Wild man Randzonen und gerade Rehe lieben diese Bereiche...

Plenterwald ist eine Form des Dauerwalds und hat eigentlich nichts damit zu tun, dass man durch "Unkräuter" wie Brombeeren zuwächst.

Plenterwald heißt dass unterschiedliche Stammdurchmesser auf einer Fläche verteilt sind und diese im Prinzip auch das Alter wiederspiegeln und dass eine dauerhafte Überschirmung herrscht. Diese dauerhaft Überschirmung bringt weniger Bodenwuchs, verhindert Randzonen und ist unattraktiv für Wild und somit ist der Wildstand von Haus aus niedriger.

Ein Altersklassenwald im Vergleich hat auf einer Fläche ungefähr den gleichen Stammdurchmesser aber vor allem das gleiche Alter und die Hiebsreife wird durch das Alter "definiert".
Man könnte auch Schlagweißer Hochwald sagen, weil wenn man 80 Jährige Fichten mit 40cm BHD auf der Fläche hat man alles erntet.

Ein Dauerwald kann man Zielstärkennutzung betrieben und nutzt Bäume erst wenn sie 40 cm BHD haben und der Rest bleibt stehen ....



Noch was. Europa wäre komplettes Waldgebiet ohne die großen Rodungen.
Orte wie "Reith" oder "Schlag" deuten auf Rodungen im Mittelalter bzw vergangen Tagen hin...

Die Entwicklung von "nackten" Boden bis zum Wald nennt man Sukzession wobei an Standorten die sich für Wald eigenen immer Wald kommen würde.
Der Mensch verkürzt aus wirtschaftlichen Gründen nur durch Pflanzung oder ausmähen diese Entwicklungszeit und beeinflusst somit auch oftmals die BaumartenZusammensetzung.

Die Baumarten Zusammensetzung beeinflusst aber auch das Wild da es Präferenzen beim Verbiss und beim Schälen hat und ja sogar beim Fegen.
Viele Fichten "Monokulturen" können aufgrund von Verbiss entstehen, da die kleine Fichte nicht schmeckt.
Zusätzlich ist die Fichte der Brotbaum im Forst.
Wächst schnell, für seine technischen Eigenschaften geringer im Gewicht und er wächst geradlinig und oftmals wenig abholzig.

Somit ein kleiner Teuflskreis bezüglich Borkenkäfer...


Ja... Ich würde nicht behaupten dass heute der Wald schlechter dasteht.
Es gibt genügend Bestände deren Bonität geringer ist als Vergleichsflächen, weil Streunutzung etc die Nährstoffe entzogen hat...
Da Wald ist ja Wohnzimmer wo man zusammenkehrt...


Liebe Grüße

8

Heute, 07:57

danke Nixon, sehr informativ dein Beitrag

9

Heute, 12:41

WAldbewirtschaftung

Danke auch von mir für die Infos

Jagdfreund

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